Rückblick: Fachtag „Neurodivergenz – von der Geburt bis ins Arbeitsleben“

Fachtagung Neurodivergenz November 2025

Über 100 Fachkräfte aus Pädagogik, Sozialarbeit und Gesundheitswesen kamen am 11. November 2025 zu uns ins PBW, um sich beim Fachtag „Neurodivergenz – von der Geburt bis ins Arbeitsleben“ auszutauschen, weiterzubilden und zu vernetzen. Der große Zulauf machte deutlich, wie sehr das Thema bewegt – und wie groß der Wunsch ist, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit besser zu verstehen und zu begleiten.

„Verschiedenheit ist keine Störung, sondern eine Ressource“
Eröffnet wurde der Fachtag von PBW-Vorständin Frauke Felix, die in ihrer Begrüßungsrede betonte: „Es gibt ein großes Bedürfnis, tiefer zu verstehen und sich darüber auszutauschen, wie wir Kinder, Jugendliche und Erwachsene in ihrer Unterschiedlichkeit gut begleiten und unterstützen können. Uns ist eine Haltung wichtig, die Vielfalt in all ihren Formen anerkennt. Diversität, auch Neurodiversität, möchten wir als Ausdruck menschlicher Vielfalt verstehen und Neurodivergenz nicht als Abweichung oder Defizit, sondern als Teil dieser Vielfalt.“
Damit setzte sie den Ton für einen Tag, der ganz im Zeichen einer inklusiven und ressourcenorientierten Haltung stand. Im PBW qualifizieren wir pädagogische Fachkräfte für die Arbeit mit Menschen in allen Lebensphasen – von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Inklusion, vorurteilsbewusste Bildung und die Anerkennung von Diversität sind zentrale Leitlinien unserer Bildungsarbeit.

Wissenschaftlicher Input und lebendige Perspektiven
Ein Höhepunkt des Vormittags war der Vortrag von Prof. Dr. habil. André Frank Zimpel (Universität Hamburg), der unter dem Titel „Neurodivergenz – Expertensicht auf verborgene Potentiale und Hindernisse im Lebenslauf“ aktuelle Erkenntnisse aus der Neuro- und Genforschung vorstellte. Er beleuchtete sowohl die Herausforderungen neurodivergenter Menschen – etwa Reizüberflutung oder Überforderung im Alltag – als auch ihre besonderen Stärken.
Seine Botschaft: „Wir brauchen eine Gesellschaft, die besser vorbereitet ist auf Menschen, die ihre Aufmerksamkeit anders organisieren und die Welt anders wahrnehmen.“
Zimpel plädierte für ein Umdenken in Bildung und Sozialarbeit: weg vom Defizitblick, hin zu einer Haltung, die individuelle Wahrnehmungs- und Denkweisen als Bereicherung versteht. Dafür brauche es multidisziplinäre Teams und mehr Offenheit im Umgang mit Diagnosen – um Akzeptanz, Selbstbewusstsein und Teilhabe zu fördern.

Theater, Workshops und Elevator Pitch
Im anschließenden dialogischen Theater wurden Szenen aus dem Leben eines neurodivergenten Menschen inszeniert – von der Frühförderung über die Schulzeit bis ins Berufsleben. Die Teilnehmenden waren eingeladen, Perspektiven zu wechseln und ihre eigenen Erfahrungen einzubringen.
Am Nachmittag vertieften Workshops und Arbeitsgruppen die Frage, wie Fachkräfte neurodivergente Menschen in den verschiedenen Lebensphasen unterstützend und ressourcenorientiert begleiten können. Die Ergebnisse wurden zum Abschluss in einem Elevator Pitch vorgestellt – kurz, prägnant und praxisnah.

Fazit
Der Fachtag zeigte eindrucksvoll: Neurodivergenz geht uns alle an. Die Teilnehmenden nahmen neue Impulse, praktische Anregungen und viele Denkanstöße mit – für eine Pädagogik, die Vielfalt als Stärke begreift und Menschen in ihrer Einzigartigkeit unterstützt.